adventure

Hunger…

Zwischenzeitlich ist mir MissAchtsam eine gute Freundin geworden. Vor kurzem saßen wir in ihrer Küche bei einer unserer stundenlangen Unterhaltungen. „Sag mal…“, begann sie plötzlich und setzte dabei ihren nachdenklichen Blick auf: „Nährt dich das? Diese sexuellen Begegnungen – gibt dir das nachhaltig was?“ Nun sah sie mich besorgt an. Ich hatte über die letzten Wochen gut zehn Kilo Gewicht verloren. Die Frage konnte also pointierter nicht sein. Was sollte ich ihr darauf nur antworten? Nährt dich das?


Eine Woche später: Mit einer kurzen Nachricht machte sie auf sich aufmerksam. Ich hielt mich anfangs etwas bedeckt, da ich ihrem Ton nach vermutete, sie könne nur online spielen wollen, konsumieren, ein wenig Bestätigung für sich abholen. Viele Frauen tun das auf diesen Portalen und dafür ist mir meine Zeit zu schade. Sie aber – sie ging schnell zur Sache, schickte mir Fotos. Ich schlug ein Treffen vor, woraufhin sie sich kühl gab. So ging es hin und her. Mir war es in dem Moment auch tatsächlich egal, denn seltsamerweise mangelt es mir zur Zeit nicht an Angeboten. Es ist eine dieser Phasen. „Vielleicht habe ich Sonntag Zeit.“, schrieb sie. „Vielleicht meldest du dich dann ja vorher.“, meine sarkastische Antwort. Arrogant prick! Am Samstagabend tat sie auch genau das in wenigen Worten und so stand unsere abendliche Verabredung in einem Kreuzberger Park bei ihr um die Ecke schnell fest.

MissLockenkopf trug einen offenen Mantel und eine leichte Bluse. Sie wirkte elegant, stilvoll und selbstsicher. Ihre Haare waren ein einziger lockiger Wildwuchs und bildeten einen guten Kontrast zur übrigen Erscheinung. Sie hatte sich ein wenig jünger gemacht, um nicht die für sie falschen Männer anzuziehen; tatsächlich war sie nicht Ende Dreißig, sondern Anfang Vierzig. Mir sind diese Details egal und ich hätte es auch nicht bemerkt. Tatsächlich war sie ziemlich nervös, weil sie sich so schnell noch nie mit einem Mann getroffen hatte. Während wir vor uns hin schlenderten suchte sie von Anfang an die Berührung: kleine, unscheinbare Gesten, ein Streifen der Hand, ein flüchtiges Anschmiegen an die Schulter, so, als könne all das auch versehentlich geschehen sein. Ich mag dieses Spiel. Ich spiele gerne. MissLockenkopf hat eine beeindruckende Karriere gemacht und ist außer an Wochenenden in anderen Städten zugange. Nach einer langjährigen Beziehung entdeckt sie nun ihre Sexualität neu und sucht den Ausgleich zum Arbeitsstress am Wochenende. Sie ist sehr selbstsicher in ihren Sichtweisen und geradezu abgeklärt in ihrem Wollen. Ich mag diese Frau. Ich will sie. Sie sah mich an, ich näherte mich, griff sie an der Hüfte, zog sie heran und besiegelte es. Spürte die steigende Hitze zwischen ihren Beinen. Wir würden also zu ihr gehen. Obwohl sie schlagartig ihre Tage bekommen hatte. Obwohl sie deshalb schon hatte absagen wollen. Obwohl sie nur durch Masturbation zum Orgasmus kommen könne. Nur „ein bisschen Rummachen“ hatte sie es genannt und ich hatte das nicht weiter kommentiert und nur genickt. Ich mag Herausforderungen.

Ihre Wohnung war beeindruckend: sanierter, lichtdurchfluteter Kreuzberger Altbau, eine Küche so groß wie mein Wohnzimmer und alles sehr geschmackvoll, beinahe minimalistisch gehalten. Das musste monatlich ein kleines Vermögen kosten. Sie war nun furchtbar nervös und wollte mir etwas zu trinken suchen. In der Küche stehend hielt ich sie dabei fest, küsste sie und sie fiel sofort in meine Hände. Erst war mein T-Shirt weg, dann meine Hose offen, dann die Nachbarn auf dem Balkon gegenüber dieser riesigen Fenster, während sie an meinem Schwanz spielte und leckte. Sie ließ mich nicht zwischen ihre Beine, wollte erst einmal im Bad verschwinden und den Tampon wechseln. Während sie dort zu Gange war, schlenderte ich mit einer Flasche Club Mate durch ihr Wohnzimmer, sah ich mir ihr riesiges Bücherregal an und versuchte, zu erraten, was sie beruflich tat. Die Frage hatte ich gestrichen, nachdem sie zuvor beim bloßen Anschneiden des Themas einen Seufzer ausgestoßen hatte. Die Themengebiete waren aber so breit gefächert, dass ich mir keinen Reim darauf machen konnte. Sie kehrte in halterlosen Strümpfen aus dem Bad zurück. Die langjährigen LeserInnen werden sich vielleicht erinnern, dass ich nicht viel auf Reizwäsche gebe. Sie sagte aber direkt, wie zur Begründung, sie fühle sich schön mit ihren Strümpfen. Wenn es ihr Selbstbewusstsein stärkte, sollte es mir recht sein. Ich ließ sie rückwärts auf die Couch sinken und sah mir den Rest ihres Körpers genauer an. Sie hatte sehr weiche, leicht bräunliche Haut und sie schmeckte gut, unaufdringlich mild, ihre Pussy mit einem Hauch von Schärfe darunter. Ich nahm mir also Zeit und sie merkte schnell, dass sie sich diese ebenfalls nehmen konnte. So schaukelte ich sie mehrfach mit meiner Zunge einem Orgasmus entgegen, ließ ihn kurz davor aber, da ich ihre Zweifel und Schwierigkeiten spürte, abebben, um ihn dann mit gesammeltem Schwung zu realisieren. Nachdem dieser Damm erst einmal gebrochen war, kannte sie kein Halten mehr. Nach einem weiteren Orgasmus, bei dem sie mich zwischen ihren Oberschenkeln halb erdrückte, steckte ich ihr zwei Finger in den Hintern und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass sie extrem auf die tiefliegende, anale Stimulation im Bereich des Gebärmutterhalses reagierte. Damit hatte ich wieder etwas gefunden! MissLockenkopf hatte jeglichen eigenen Willen aufgegeben und schwamm nur noch in ihrer Lust. Meine Zunge an ihrer Klitoris und ihr Hintern auf meine Finger gespießt, explodierte sie wieder und wieder. Ich beobachtete dann für ein paar Momente, wie ihr gesamter Bauch zu zittern begann, während meine Fingerspitzen förmlich in Flammen standen. Ich denke, sie war bereits hier überrascht.

Nach einer kurzen Pause, während der wir aneinander geschmiegt auf der Couch lagen, glitt sie an mir herunter und begann, mich mit dem Mund zu bearbeiten. Vorsichtig nur, etwas zu zaghaft – doch mir stand der Wille sowieso nach anderem. Ich zog sie zu mir hoch und bereits eine subtile Andeutung mit der Schwanzspitze gab ihr zu verstehen, wohin es gehen sollte. Sie hatte noch nicht einmal Gleitmittel nötig: Fast mühelos senkte sie sich immer tiefer auf meinen Schwanz und als er schließlich bis zum Anschlag in ihr steckte und ich ihren Oberkörper zur Aufrichtung brachte und meine Hüfte dabei ein wenig neigte – da traf es wieder diesen magischen Punkt und sie verstand, wenngleich mit fassungslosem Blick. Nur ein paar Minuten zur Eingewöhnung, dann kippten wir gemeinsam einmal komplett, so dass sie auf dem Rücken zum Liegen kam und ich ihre Beine weit nach oben drücken konnte. In diesem extrem steilen Winkel lag sie genau richtig: Beim Eindringen konnte sie mich am G-Punkt spüren und hinten angekommen löste ich mit jedem Stoß ein Feuerwerk aus. Und genau das tat ich nun. Und wie ich ihre beginnende Ekstase bemerkte, tat ich es umso heftiger. Und als ihr Gesicht zu zerfließen schien, beinahe formlos nur noch weit aufgerissener Mund und Augen, da hämmerte ich nur so in sie, stieß so fest, ich weiß nicht wie, in ihren Hintern, dass ich hätte Sorge haben können, wenn da nicht diese undefinierbaren Laute von ihr ausgegangen wären, mehr, und fester, härter, tiefer, nur ein paar Sekunden Luft einsaugend, während sie einen Orgasmus nach dem anderen durchzitterte, mich in ihre Beine krallend und diese bis beinahe hinter ihre Ohren pressend, dann um ihren Hals, Schreck, Empörung, Stoß, dieser faszinierende Moment der Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Fortbestehen, Thanatos im atemlos-ekstatischen Versinken. MissLockenkopf war nicht mehr. Manche sprechen davon, hart in den Arsch gefickt werden zu wollen – mit ihr geschah es einfach. Keine Zurückhaltung, keine Vorsicht, einfach nur animalisch entfesselt – herrlich! Nach einer gefühlten Ewigkeit hob sie eine Hand: „Ich kann nicht nochmal!“ Wir atmeten kurz, dann ließ ich mich gehen, ein paar Stöße noch, dann kam auch ich, ein bisschen mehr Notwendigkeit als wahres Wollen, aber lachend und auf eine meiner liebsten Weisen…



Nährt mich das? Die Frage ist ein wenig verkehrt gestellt. Wir alle haben Sehnsüchte, die wir zu stillen suchen – in Dingen, in Aktivitäten, in anderen Menschen. Ich glaube, die Hoffnung, überhaupt satt werden zu können ist verfehlt, denn nichts ist von Dauer und das gelobte Land, dem wir hinterher jagen – wir sind bereits dort und es ist nirgendwo sonst. Blind wie wir sind, hält uns das aber nicht ab und so bin auch ich immer getrieben. Immer auf der Suche nach dem göttlich Femininen, immer wieder auch in Kontakt damit – niemals satt. Diese Begegnungen nähren mich nicht. Wie sollen sie das auch. Schon gar nicht, wenn mein Herz nicht berührt wird. Ich meine richtig berührt. Nicht wie bei einem Verdurstenden, der jede Flüssigkeit trinken würde. Sondern die klare Offenheit für eine Erfahrung. Und wenn sie dann eintritt, wenn im Staub plötzlich etwas zu glänzen beginnt und unseren Blick bannt… Das ist so selten – und so kostbar. Viele machen diese Erfahrung während ihres ganzen Lebens nicht. Anderen fliegt sie zu und sie sind leichtfertig damit. Meine Augen bleiben offen. Hunger wird zu Appetit – bis auch der erlischt.

 


Beitragsbild: Shame (2011) ©

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