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MissÄtherisch – Grün (Teil 1)

Herbst 2017
Sie schrieb mir eines Abends: Ob sie mir Fragen zu einigen Dingen stellen könne, die sie auf meinem Profil gelesen hatte. Selbstverständlich. Es entspann sich ein anregendes Gespräch über mehrere Stunden. Offenbar hatte ich Dinge angedeutet, die sie vermehrt beschäftigten. Sie schien mir recht bewandert in sexuellen Dingen, ihre Fragen waren intelligent und trafen jedes Mal genau das Wesentliche, während ihre Ansichten überlegt und klar geäußert waren. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Fotos mehr von sich online, allerdings erinnerte ich mich dunkel an ihren Nickname und dazugehörige Bilder, die es auf ihrem Profil mal gegeben hatte, weil mich daran ein paar Seltsamkeiten irritiert hatten – optisch attraktiv war sie allemal und unser Gespräch machte mich umso neugieriger. Es begann ein mal mehr, mal weniger subtiles Tänzchen, an dessen Ende sie einem Treffen mit mir zustimmte. Alles zwar sehr offen und direkt, zugleich aber auch einigermaßen zivil (Die teils sehr vulgäre Art der Kommunikation, die sich mancherorts breitgemacht hat, ist nicht mein Fall.). Wir tauschten Handynummern und als ich mich bereits schlafen legen wollte, frischte sie unerwartet mein Gedächtnis mit einem Foto von ihr auf, das sie untenrum nackt und in aufreizender Pose zeigte – nicht die schlechteste Art, einen neuen Kontakt zu beleben. So viel zum Thema Vulgarität…

Einige Tage später waren wir an einem Berliner Park verabredet. Von weitem auf mich zukommend hatte ihre Erscheinung etwas Flüchtiges, beinahe Gespenstisches an sich, wie das Wabern der Luft an heißen Tagen. Als sie dann vor mir stand, traf mich die Begeisterung mit voller Wucht: langes dunkles Haar, das sie offen trug, zierliche Figur, knackiger Hintern in enger Jeans und Bluse, feurige Lippen und strahlend-lichtblaue Augen, wie Scheinwerfer, von einer Intensität, wie ich sie seit Azur nicht mehr gesehen hatte. Eine ausgesprochen hübsche Frau, angenehme, zarte Stimme, luminös und zugleich beinahe zerbrechlich in ihrer Erscheinung. Sie war sehr aufgeregt und ich ein wenig sprachlos. Also sagte ich ihr das einfach auch, während wir losschlenderten, um ihr die Aufregung ein wenig zu nehmen, woraufhin wir ins Scherzen gerieten und Ton und Thema unseres Chats wieder aufnahmen. Da war sofort eine starke Vertrautheit, als würde man eine alte Schulfreundin wieder treffen. An der ersten Treppe wollte ich nicht hinter ihr gehen, weil ich sonst auf ihren Hintern sehen müsste – ich hatte schon zuvor flüchtig wahrgenommen was sie da so geschickt eingepackt hatte. Offenbar war sie dankbar für das implizierte Kompliment und die Gelegenheit, ihre Verführungskünste anzudeuten, lief also selbstredend direkt vor mir nach oben und ließ mich durch entsprechende Körperspannung wissen, dass die Attraktion auf Gegenseitigkeit beruhte. Weit kamen wir also nicht. Unser Date war nun wirklich nicht auf Sex ausgerichtet gewesen, sondern einfach offen als Treffen zweier freizügiger Menschen. Ansonsten hätte es mich zwar immer noch, aber deutlich weniger erstaunt, dass wir uns gerade einmal 15 Minuten kannten, als ich sie küsste und sie erwiderte. Es war völlig selbstverständlich: ich musste es tun und ich wusste, dass sie es auch genau so wollte, sich so früh nach dem Kennenlernen aber nicht trauen würde. Eine Situation hat immer das Potential, mehr und anders zu sein, als wir es in stumpfer, passiver Gewohnheit vergessen. In aller Klarheit sah ich den Moment, sah unser Zusammentreffen an diesem Ort, spürte unsere Verbindung. Wir küssten uns auf einer Parkbank, sanft, kostend, während ihre Hand vorsichtig an meinem Oberschenkel hinaufstrich und eine plötzliche Schwäche ihren Körper ganz weich und formbar machte. Sie war völlig aus dem Häuschen, brachte kaum mehr einen ganzen Satz zustande und lachte schließlich nur noch verlegen. Also schalteten wir für den Moment wieder einen Gang zurück und taten, was die Konvention vorgeschrieben hätte: Konversation. Lange blieb uns dafür nicht, denn mit Einbruch der Dunkelheit sanken auch die Temperaturen dermaßen, dass wir beide zu frieren und uns nach einer neuen Lokalität umzusehen begannen. Auf dem Weg zum Parkausgang eröffnete sie mir, was sie so verlegen machte: Es war nicht die rasche Intimität allein, sondern dass ich eine überwältigende Ruhe ausstrahle, neben der sie sich geradezu zappelig vorkomme. Ich konnte sie dahingehend beschwichtigen, machte sie doch selbst einen eher ruhigen, wenn auch etwas nervösen Eindruck auf mich. Wir blieben stehen und küssten uns erneut, ihr Unterleib an die Beule meiner Jeans gepresst, woraufhin ich mir ebenso tastende Freiheiten nahm… Wir kannten uns nun eine Stunde.

Sie hatte Lust auf Tee und ich war einem Kaffee nicht abgeneigt. Von unserem Standort aus hätten wir aber erst mit der U-Bahn fahren müssen. Zu diesem Zeitpunkt ließ sie auch in die Überlegungen einfließen, dass sie mich keinesfalls zu sich nach Hause einladen wolle. Offenbar rettete sie sich damit vorerst wieder in den Bereich des Bekannten und Berechenbaren zurück, was ich schlicht zur Kenntnis nahm. Das Date war in meinen Augen bereits jetzt eine sehr gelungene Angelegenheit – was folgen sollte, wollte ich nun einfach auch mich zukommen lassen. Dann fiel ihr ein, dass nur wenige Minuten entfernt eine große Bibliothek war, die sie während ihres Studiums gerne genutzt hatte und in der es ein nettes, kleines Café gebe. Mir gefiel dieser ungewöhnliche Einfall, ein Date vom Park in eine Bibliothek zu verlegen, um dort etwas zu trinken.
Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass das Café gerade erst geschlossen hatte. Also machten wir es uns auf einer gepolsterten Sitzecke im Lesebereich gemütlich. Es waren erstaunlich viele Menschen anwesend, die alle die Nasen in Bücher gesteckt hatten – außer uns beiden, die miteinander flüsterten und dezent aneinander rumfummelten. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, der Abend würde hier bald enden, angenehm und lustig, aber eben auch nicht weiter spektakulär. Die Frau auf der Couch schräg gegenüber simulierte ihre Lektüre inzwischen nur noch und lauschte unserem Gespräch: „Ich habe eine Idee! Die ist aber etwas ungewöhnlich. Ich weiß nicht, ob das was für dich ist…“ – „Was immer es ist, nur raus damit.“, versicherte ich ihr nichtsahnend. „Ich habe immer noch einen Ausweis für diese Bibliothek. Wenn man sich eine CD ausleihen möchte, kann man sie hier vorher in einer Audio-Kabine probehören. Diese Kabine ist von außen nicht einsehbar. Was hälst du davon, wenn wir da beide reingehen und ich zieh mich da drin für dich aus? Vielleicht blase ich dann auch deinen Schwanz…“ Ihre Hand war dabei in meinen Schritt gewandert und zog die entsprechende Reaktion nach sich. Ich liebe es, wenn beim Gegenüber endlich alle Hemmungen fallen und ihre lüsterne Seite sich zeigt! Ich musste lachen, während um uns herum gleichzeitig mehrere Leute auffallend unruhig wurden. My kind of woman! Und schon wieder fand ich mich in meinem Element. Ich griff zu meiner Jacke: „Los geht’s!“ Ihre lichtblauen Augen strahlten…

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