adventure

Vorsichtige Annäherung

Frühling 2016:
Sie kommt mir gemütlichen Schrittes entgegen, ein vorsichtiges Lächeln, kaum erkennbar. Ihr Hund, ein hellbraunes, mittelgroßes, schlankes Tier mit langem Hals, schwebt an der Leine neben ihr. Sie hatte gezögert vor diesem Treffen. Blond ist sie, sportlich gekleidet, groß und schlank. Ich begrüße sie herzlich, die Umarmung scheitert aber an ihrer Zurückhaltung – es wird eher ein Köpfe-Zusammenstecken. Ihre Nervosität ist deutlich spürbar. Erst nach einigen Minuten, in denen sie mit viel Mühe versucht, Haltung zu bewahren, treffen sich unsere Blicke endlich und der eigentliche Austausch kann beginnen. Wir hatten uns zu einem Spaziergang mit ihrem Hund im Park verabredet. Sie hatte noch wie zur Warnung angesprochen, dass ihr Hund sehr ungewöhnlich sei, ein scheues Tier, das sich nicht gerne anfassen lasse und Fremden gegenüber nicht besonders zugewandt sei. Ihre Bedenken konnte ich zerstreuen: Ich kann allgemein gut mit Hunden umgehen und weiß ihre Signale zu deuten. Bereits zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich die Parallelen zu ihrem eigenen Wesen…
Wir drehen eine ausgiebige Runde im Park und unterhalten uns über koreanische Filme. Sie hat einen ausgeprägten Sinn für die Ästhetik des Makabren, das Grausame und für Doppelbödigkeit. Sie ist in Russland studierte Psychologin, der ihr stark akzentbehaftetes aber fast fließendes Englisch etwas peinlich ist. Dazu strahlt sie etwas sehr Sanftes aus. Sie ist ganz Leib, völlig anwesend mit jeder Pore und dennoch sehr bemüht, sich nichts davon anmerken zu lassen. Mir fällt auf, wie sie meinen Geruch aufnimmt, mich heimlich mustert. Ich komme mir fast klobig vor neben ihr, mit meiner Direktheit und meinen dummen Scherzen, mit denen ich versuche, kleine Durchlässigkeiten in ihren Schleier der Unnahbarkeit zu schlagen. Ich muss meine Aufmerksamkeit stark bündeln, um sie überhaupt nur ansatzweise lesen zu können. Schließlich lassen wir uns auf einer Bank nieder. Es geht sehr lebhaft zu – einer der ersten richtig warmen Frühlingstage: Hippies, Muttis, Assis, auf der Wiese vor uns eine Yoga-Gruppe – die volle Ladung Berlin. So sitzen wir die nächsten zwei Stunden. Es ist ein angenehmes Gespräch, nicht zu aufgeregt, viel zu zivilisiert jedoch und kopflastig. Mit ihrem Hund habe ich es nicht einfach, doch nach einigen Zurückweisungen wird mir schließlich ein wenig Vertrauen entgegengebracht und ich darf sie an den Ohren kraulen. Nachdem eine der zahlreichen Blagen das arme Tier aufschreckt, springt sie sogar neben mich und versteckt ihren Kopf hinter meinem. Mrs. Seltsam ist äußerst überrascht und ich glaube, anschließend etwas in ihren Augen aufblitzen gesehen zu haben. Schließlich wird es Zeit, dass sie nach Hause fährt. Dort warte ein zweiter Hund und ihr Mann. Wir gehen am Bahnsteig auseinander, wieder mit einer ungeschickten Umarmung. „I like your perfume.“, lautet ihre lakonische Nachricht. Diese Frau ist sehr eigenartig!

Im Laufe der nächsten Woche chatten wir teilweise halbe Nächte hindurch. Sie ist spontan nach Spanien geflogen und so muss ein zweites Treffen auf sich warten lassen. Sie fürchtet sich, nennt mich einen maniac – und ist dennoch offensichtlich von mir angezogen. Inzwischen kann ich ein wenig hinter ihre Fassade sehen und fasse den festen Vorsatz, ihre lüsterne Seite, die ich unter der braven und stillen Erscheinung vermute, zum Vorschein zu bringen.

Als der Tag, mit vielem Zögern endlich gekommen ist, treffe ich auf eine sichtlich nervöse Frau mit wackeligen Knien, die krampfhaft versucht, Haltung zu wahren. Vermutlich helfen meine Scherze über einen hauseigenen Brunnenschacht oder meine Vorliebe für den Song „Goodbye Horses“ ihr nicht darüber hinweg. Erst als wir auf meiner Couch sitzen und vor ihr eine Tasse Tee dampft, kehrt ein wenig Gelassenheit ein und es dauert ab da nicht lange, bis ich sie am Kinn fasse und unsere Lippen sich begegnen. Sie ist zaghaft im Küssen – und bei der ersten Berührung unterhalb des Gesichts wird sie schlagartig pragmatisch und entledigt in einem Mal ihrer gesamten Kleidung. Es ist einer dieser Momente, in denen ich mich frage, was aus fließenden Übergängen geworden ist und ob ich einem romantischem Mythos der Vergangenheit nachhänge. Der beinahe tägliche Besuch im Fitnessstudio ist jedenfalls deutlich an ihr erkennbar: wohl akzentuierte Linien, ein flacher und fester Bauch, gleichmäßige Muskulatur von den Waden bis zum Nacken und ein Hintern, mit dem sie vermutlich Steine klopfen könnte. Mir kommt ihr Ehemann in den Sinn, der für sie nur noch ein asexueller Freund ist. Wie schwer muss es für ihn sein, dass sie sich so gut in Form bringt, während sie ihn verschmäht. Alles paar Wochen besorgt sie es ihm mit den Füßen, um seine Avancen zu befrieden und in Ruhe schlafen zu können. Und nun experimentieren die beiden mit einer sexuellen Öffnung ihrer Ehe…

Sie drängt zum Bett. Ich bin noch halb angezogen, als ich sie mir zurecht lege und den Geschmack ihrer Haut erkunde. Die zwei Wochen in Spanien haben ihr einen gesunden Bronzeton beschert, dessen Ankunft ich jeden Moment, als Vanille und Zimt vielleicht oder gar Karamell, auf meiner Zunge erwarte. Als ich sie aufspreize, ist ihre Klitoris bereits angeschwollen und glitzert mich an. Mit Fingern und Zunge finde ich schließlich den Rhythmus ihres Körpers, was sich schwierig gestaltet, da diese Frau nicht nur keinen Ton von sich gibt, sondern auch kaum zu atmen scheint. Sie schlägt vor, sich bäuchlings zu drehen, weil sie gerne ihren Hintern involviert hätte – was ich mir selbstverständlich nicht zweimal sagen lasse und erst einmal einen Plug mittleren Umfangs in ihrem rückseitigen Kunstwerk einführe. Der zusätzliche Druck macht es meinen Fingern schwerer, sich zu bewegen. Dafür stimuliert nun jede Bewegung gleich ihren gesamten Unterleib, was ihr zu gefallen scheint, da nun doch ab und an ein hörbarer Atemausstoß zu vernehmen ist. Mit völlig natürlicher Selbstverständlichkeit erkunden ihre Füße dabei alles, was in ihrer Reichweite liegt und stoßen letztlich auf meinen erwartungsfrohen Schwanz, den sie – für diese Verrenkung erstaunlich geschickt – zu greifen und massieren beginnen.

Es braucht hier vermutlich nicht erwähnt zu werden, dass Mrs. Seltsam viel Wert auf die Pflege ihrer (zu diesem Zeitpunkt türkis lackierten) Füße legte. Was ich allerdings nicht durch bloßen Augenschein wissen konnte, ist das ungeahnte Ausmaß an Geschicklichkeit, das regelmäßige Footjobs in diesen Gliedmaßen hervorzubringen vermögen. Nachdem sie sich nämlich gedreht und mit dem Mund wenig geschickt, wenn auch schön feucht, meinen Schwanz mit dem Mund bearbeitet hatte, lässt sie sich nun auf den Rücken fallen während ich zwischen ihren Beinen knie, und beginnt ihn mit beiden Füßen, als seien es ihre Hände, zu massieren. Sie scheint in ihrem Element zu sein und reibt sich dabei selbst die Klitoris. Ich merke schnell, dass sie mich so innerhalb kürzester Zeit zum Kommen bringen würde, möchte aber noch mehr ausprobieren und genießen. Wir wechseln also auf ihren Vorschlag hin zu ihrer vorherigen Position auf dem Bauch, wobei der Plug nun mit einem ordentlichen Dildo ersetzt wird, während ich mir ein Kondom überziehe und zugleich in ihre Pussy eindringe. Ich stoße abwechselnd mit meinem Schwanz und dem Dildo, sie legt dazu noch Hand an und lässt auch endlich die Zurückhaltung fahren. Aus ihrer geradezu unheimlichen Stille wird ein tiefes, baritonales Stöhnen, dass in heftiges Zittern im Unterleib übergeht. Daraufhin erschlafft sie und sackt ächzend im Bett zusammen. Ich befreie ihr Gesicht von den klebenden Haaren, damit sie wieder frei zu Atem kommen kann, lasse mich dann neben sie sinken.

Nach einer Weile ist Mrs. Seltsam wieder im Diesseits angekommen und möchte nun ihr begonnenes Werk fortsetzen. Ich stelle mich vor das Bett und sie beginnt erneut damit, mit äußerstem Geschick ihre Füße einzusetzen. Als sie sich dazu vor mir auf den Bauch dreht, weiß ich schließlich gar nicht mehr, welchem optischen Reiz ich mich nun hingeben soll. Ihr durchtrainierter Hintern bewegt sich im Rhythmus ihrer an meinem Schaft gleitenden Zehen. Der Schweiß rinnt nur so an mir herab und dann ergreift ein Zittern meinen Körper, so dass mir buchstäblich die Beine schlackern. Mein Sperma ergießt sich über ihre Sohlen, spritzt auf Hintern und Rücken herab… dann bleibt mein pumpender Schwanz unnachgiebig fest umschlossen, was eine Welle nach der anderen frei durch meine Nervenbahnen fahren lässt…

 


Diese kurze Affäre hielt lediglich für ein paar Treffen an.

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3 Gedanken zu „Vorsichtige Annäherung“

    1. Ja, ganz genau! Diese Distanziertheit, wo man mit Nähe, Öffnung, Intimität und Begeisterung rechnet. Der Sex wird entsprechend technisch, eine Folge von Stellungswechseln und Routinen (mit Ausnahme des Footjobs 😀 ). Der Beitragsstil gibt ein Stück weit meine eigene kognitive Dissonanz bei dieser Episode wieder.
      Ich danke dir für die aufschlussreiche und ehrliche Rückmeldung! 🙂

      Gefällt mir

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