Nachdenkliches

Hinter dem Vorhang

(Teil einer Serie zur Einsamkeit)

Wo wir so zerbrechlich sind, dass eine kleine Berührung bereits unsere ganze Existenz erschüttert.
Wo wir uns tot stellen, um am unvermeidlichen Schmerz des Lebens nicht teilhaben zu müssen.
Wo wir vergessen haben, wer wir sind und wo wir uns sicher wähnen, solange sich nichts rührt.
Wo unsere Erstarrung das falsche Leben ersetzt und unser Hoffen ein Warten auf das Ende nur mühsam verbirgt.

Wo wir uns nur an-einander, niemals aber mit-einander befassen.
Wo die Dämonen an uns nagen, unentwegt und spürbar, der Schmerz uns aber nur als solcher gilt.
Wo unser Bewusstsein blind gefriert und wir uns hart machen und ganz still.
Wo Respekt nach Duldung, Liebe aber die Vertreibung des Ghuls verlangt.

Da, wo nichts mehr hindurch reicht.
Da, wo niemand uns mehr hören kann.
Bitte verlass mich nicht!
Bitte fass mich nicht an!
Da, wo der hoffnungslose Schlund sich auftut unter uns –
Da, wo wir uns hineinfallen lassen.

Wohin auch sonst?
Dort sind wir gefangen.
Unerreichbar.
Alleine.

 

 


 

Bild: Maelstrom by Harry Clarke (1919),Illustration für Edgar Allan Poes „A Descent into the Maelström“ (1841)

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