Love

A Vision of Chiara

Juli 2016:
Nie wieder würde ich ohne mein ausdrückliches Wollen in etwas wie eine feste Beziehung „hineinrutschen“, mich abfinden mit grundlegenden Differenzen, weil die Gefühle schon weiter gediehen sind als es vernünftigerweise hätte kommen dürfen. Oder aus falscher Rücksichtnahme, in der fatalen Hoffnung, es könne sich etwas anders entwickeln, wenn ich nur lange genug geduldig wartete, mich zurücknähme und meinem Gegenüber die Chance gäbe, zu der Person heranzuwachsen, die mit mir sein könne so wie ich von Grund auf bin. Nie wieder. Zu viel Enttäuschung, zu viel Verletzung, zu groß der unüberbrückbare Abgrund zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Zwar sind wir nie ganz „fertig“, sind in ständiger innerer Bewegung – doch nach den Erfahrungen von Kindheit und Jugend gibt es so etwas wie einen festen Kern unserer innersten, fundamentalen Bedürfnisse, an dem wir kaum noch rütteln können werden, so sehr wir uns das auch manchmal wünschen. Dann holt uns die Wirklichkeit unserer tiefsten Ängste ein. Und wir zerschellen aneinander.

In Zukunft würde ich mich ausschließlich jener Frau öffnen, die mich anzunehmen weiß. Ihr würde ich mich völlig widmen, mich hingeben, mit ihr wachsen, wohin auch immer es uns verschlägt. Ihr Glück sei das meine. Furchtlos ist sie, selbstsicher und eigenständig; nicht von Argwohn und Eifersucht getrieben, sondern von Vertrauen und radikaler Ehrlichkeit geprägt. Ihre Intelligenz fordert mich heraus und schenkt mir tiefe neue Einblicke. Beim Klang ihrer Stimme lausche ich gebannt. Ihre innere Ruhe macht sie sensibel, lässt sie ungetrübt all die Feinheiten wahrnehmen, die im Lärm und in der Achtlosigkeit des dahingeworfenen Miteinanders sonst untergehen – mit ihr ist jeder geteilte Moment echt und wahr und von Wille beseelt. Ihre Bewegung ist anmutig, ihr Handeln furchtlos, drängend und doch kontrolliert und voller Mitgefühl. Sie spielt mit der Fülle des Lebens, kostet und webt, taucht tief hinein und zuckt mit dem ekstatischen Puls der Leidenschaften – dann kehrt sie wieder ein in die Stille. Sie ist sanfte Kriegerin und wilde Liebhaberin. Furchtbare, freudige Halbgöttin. Ich sah sie in Träumen und Dämmerzuständen, schrieb ihr Briefe und Gedichte – und hatte sie doch nie angesehen. Sie war immer schon real, verborgen unter einem Schleier des Vergessens. Eine geisterhafter Erscheinung im Wabern meiner Sehnsucht. Sie ist das große Geheimnis. Ich nannte sie Chiara.

Und plötzlich, nach so langer Zeit, gewappnet mit neuen Vorsätzen und einer Liste von Wünschen für eine ungewisse Zukunft – nach all dieser Zeit wendet sich mir ein Gesicht zu. Worte werden gewechselt, Haut berührt Haut. Da ist keine Gewalt, kein Schlag in die Magengrube. Sanft rollt es in mich hinein, schleichend und ohne jeden Widerstand. Völlig selbstverständlich, wie beim Wiedersehen einer alten Freundin. Das ist kein Treffen – es ist ein Erkennen. Ist das möglich? Sie sieht mich an, sieht mich, spürt, legt ihre Stimme um mich und blickt hinein. In ihren Augen vergesse ich mich.

Wie kann das sein? Nach so langer Zeit…

 

Fortsetzung folgt…

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