Nachdenkliches

Ein Moment ohne Zeit

Wo gehst du hin, Schwester? Zerbrechlich wirkst du unter deinem dünnen Kleid. Mein Blick streift dich diesen einen Augenblick, und das schwarze Loch deiner Einsamkeit nimmt mich mit auf deinem Weg – mehr als diesen einen Moment. Als würdest du ein Stück aus mir herausreißen – und ein Stück begleitet es dich. Hast du das gewollt? Ich glaube nicht. Ich glaube, dein Wollen war gar nicht anwesend in diesem Augenblick, als du vorüber gingst. Darin liegt die Brutalität deiner Vereinzelung: Dass ein Wollen gar nicht erst in Erscheinung tritt; wozu auch, mit welcher Erwartung? Deine Einsamkeit ist absolut, weil ohne jede Hoffnung – wahre Einsamkeit. So echt, so ohne jeden Anspruch – stille, schöne Verzweiflung! Damit hast du mich gebannt, unsere Verwandtschaft mit aller Gewalt des gewahren Moments offengelegt. Schwester, nimm mich mit, nur immer weiter! Lass im Sog deines Schwindens unser beider Hoffnung keimen!

 

 


Beitragsbild: Under the Skin (2013) ©

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