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Logbuch 18.05.2016

18. Mai 2016 – Mittwoch:
Nach weniger als vier Stunden Schlaf um 09:30h aufgewacht. Eine Stunde später aufgestanden. Kaffee und Zigaretten, Blogs, Nachrichten, Social Media. Glückliche Neuigkeiten von Azur. Ich freue mich sehr, weine ein wenig, weil es schön für sie ist. Erleichterung. Streiche später feierlich den Entwurf eines Notfallplans für sie von meiner To-Do-Liste – things are finally looking up for her!
Eiweißshake zum Frühstück, Nahrung ist gerade Nebensache. Gehe einkaufen, Sojamilch ist aus. Smalltalk mit der netten Nachbarin. Smalltalk mit meinem Lieblings-Späti-Mann, der mir den extra für mich bestellten Tabak verkauft. Überall Kinderwagen und diese Yuppie-Hipster, die sie ungelenk in ihrem Wohlstandsautismus vor sich herschubsen. Spießrutenlauf. Man sagt, Prenzlauer Berg sei noch schlimmer, aber mir reicht der Blick in ihre leeren Augen, um schon hier in Friedrichshain den Horror Vacui wieder präsent zu haben. Alle sehen gleich aus. Konsumsoldaten, dumm glotzend, ihr musternder Blick sucht nach neuen Gestaltungsideen, um ihr hohles Dasein aufzuhübschen. Was zerreiß ich mir das Maul!? Bin doch selbst völlig sinnentleert, nur dass es mir dabei an dieser wohltuenden Ignoranz mangelt. Sowas Jämmerliches…
Sehnsucht, dabei kann ich nicht einmal genau bestimmen, was mich schon wieder rastlos macht. Hoffe auf eine E-Mail-Antwort, die wahrscheinlich nie eintreffen wird. Denke an einen fernen Freund, den die Depression aufzufressen droht. Er trinkt zu viel, seine Talente finden keine Anerkennung. Auch so einer mit Sehnsüchten und Sinn für Schönheit. Wir sind doch sowas von verdammt! Ein Foto von Azur spendet mir für einen Moment Trost.
Morgen früh werden mir die Weisheitszähne rausgenommen, alle vier auf einmal, weil ich ebenso pragmatisch denke wie der Kieferorthopäde. Freue mich auf die Entspannung in meinem Gebiss. Hätte doch die Vollnarkose wählen sollen, dieses schöne Nichts. MissMystery wollte heute noch vorher Zeit mit mir verbringen. Hab sie auf nächste Woche vertröstet, weil es mir dreckig geht und ich das jetzt eben austrage. Muss sie nicht unnötig belasten und was soll sie schon dagegen tun können. Wir haben angenehme Stunden zusammen, sie fühlt sich wohl. Unsere gemeinsamen Abende und Nächte sind ihr eine Auszeit: weniger Einsamkeit, jemand, der sich um sie kümmert, ihre Bedürfnisse liest, sie streichelt, begehrt, füttert, fickt und versteht. Sie schläft überraschend gut bei mir. So soll es bleiben.
Meine Queen verfolgt mich wieder in Gedanken. Ich muss mich damit begnügen, zu wissen, dass sie noch lebt. Ihre Nähe und völlige Hingabe, emotional wie körperlich. Ich rufe nochmal alles wach, versuche unvoreingenommen darauf zu blicken – die schönsten sechs Monate meiner lebendigen Erinnerung. Mir wird eng um die Brust. Das Loch klafft immer noch riesig. Will mich verdächtigen, es einfach aus Feigheit gerissen zu haben. Das wäre so schön einfach. Tatsächlich aber ist es mehr und liegen nicht alle Umstände in meiner Hand. Es bleibt dabei. Vielleicht heilt es ja eines Tages. Deckel drauf. Atmen, rauchen…
Hab noch Gras für einen letzten Rausch. Traue mich nicht ran heute, vielleicht habe ich es morgen nötiger, wenn die Schwellung auf den Nerv drückt. Zu blöd, dass ich keinen Alkohol trinke. Den ganzen Tag im Bett verbracht. Einfach mal alles aufgeschrieben. Kann aber weg.

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