adventure

Sleepless

Ziemlich verwundert liege ich wach: Auf einmal nagt Unsicherheit an mir. Das ist seltener geworden. Meine Nachrichten hat sie gelesen, in der Vorschau jedenfalls. Ein deutliches Signal, dass sie darüber schlafen muss. Sie war so müde gewesen, doch auch sie war dann trotzdem um Zwei noch wach. Sie grübelt, wie ich, wenige Kilometer entfernt. Was will ich eigentlich? Warum ist sie gegangen? Sie mochte mich auch sogleich – zuviel? Zu wenig?

Sie hat Raubtieraugen. Eine starke Frau. Klarsichtig, feinster finsterer Humor, einfühlsam dabei und witzig, Sehnsucht auch – und Narben. Ich hatte das leise Seufzen gehört, als ich die empfindsamste Stelle an ihrem Hals gefunden hatte – ihren Kopf tief in den Nacken gezogen; widerstandslos. Sie fiel einfach in meine Führung, völlig selbstverständlich, die Augen geschlossen, sicher. Unsere Küsse: stimmig, weich, gierig fordernd. Ihre Haut verströmte diesen Geruch… ich konnte ihn nie definieren, aber etwas daran machte mich schon als Jugendlichen rasend. Ich weiß, dass es da ist, bevor ich es bewusst rieche und schmecke. Ihre Arme wurden schwach. Wie ihr Mund sich halb öffnete, der Kopf fiel nach hinten, diese kleinen Falten zwischen den Augenbrauen – ich zog leicht an den Piercings in ihren Brustwarzen, strich mit der Zungenspitze darüber, kniff hinein, vorsichtig die Schwelle der reinen Lust überschreitend, in diesen Raum knapp darüber, wo sich der Schmerz so wundersam darein mischt. Dieser Gesichtsausdruck hat sich eingebrannt; so schön… so… Was ist nur los mit mir?!

 

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15 thoughts on “Sleepless”

    1. Das war eine rhetorische Frage; ich sehe das anders. Die einzige Wahl besteht doch darin, zuzulassen oder nicht. Wenn du Gefühlen freie Bahn lässt, was ich sogar gerne noch besser könnte, dann haben die ihre eigene Dynamik.
      Kannst du erklären, wie du das meinst, warum du das anders siehst?

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  1. Wie du es schon sagst: Du kannst Gefühle zulassen oder auch nicht. Du kannst dich einlassen, oder auch nicht. Du kannst sie „streuen“ mit wechselnden Mitspielerinnen, oder auch bündeln, dich auf einen Menschen fokussieren.

    Wie weiter oben schon erwähnt wurde, drängt sich bei zu starker Streuung die Frage auf, wie tief die Gefühle dann noch sein können. Du hast nur ein Herz. Entweder bekommen viele weniges, oder wenige vieles von einem Gefühl. Just maths.

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    1. Diese Mathematik geht bei Gefühlen aber nicht auf und scheint mir auch genau die Herangehensweise zu sein, die ihre Lebendigkeit verhindern. Zuneigung, Begeisterung, Unsicherheit,Liebe… das sind doch keine quantifizierbaren Größen!
      Du sagst: „Du hast nur ein Herz.“, als wäre das ein Guthabenkonto der Summe X, sagen wir 10. „Gestreut“ auf drei Personen vielleicht 4+3+3. Und „4“ reicht nicht für „echte Liebe“, das müsste dann schon mindestens – hm… sagen wir mal „8“ sein. Immerhin muss ja auch was für Selbstliebe übrig bleiben…
      Ich kenne diese Gedankenspiele. Sie decken sich aber nicht mit meiner Erfahrung. Die ist viel eher, dass man sich damit zu schützen versucht, unnahbar macht, mit dem Zulassen der Gefühle „knausert“, damit sie nicht schmerzhaft werden können. Dafür ist so eine Rationalisierung sicher auch gut und *effektiv* (was für ein schreckliches Wort!).

      Wie ich oben schon ‚LX‘ schrieb: Wie man das für sich interpretiert, was ich fühle; ob man es vielleicht sogar in Frage stellt, weil der mathematische Filter Zweifel aufkommen lässt – das steht auch dir frei. Ich habe beschlossen, durchlässig zu sein, Gefühle geschehen zu lassen, soweit ich es kann. Das hat damit zu tun, dass ich viel zu lange eben diese rationale Kälte kultiviert hatte, um nicht noch mehr zu leiden.
      „Wahllos“ wird es dadurch ebenso wenig: Ich mache mir ein sehr genaues Bild von den Menschen, die ich treffe. Nur wo eine positive Resonanz entsteht, kommt es zu mehr. Auch da herrscht Durchlässigkeit (ist das die eigentliche Wahllosigkeit?).
      „Auf einen Menschen fokussieren“: Das ist tatsächlich eine Entscheidung, die ich getroffen habe – das wird so ohne Weiteres nicht mehr passieren. Reiner Selbstschutz in dem Fall. Die Ausnahme ist „Chiara“, aber die lässt auf sich warten…

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      1. Man bekommt einfach den Eindruck, als wolltest du -vielleicht resultierend aus der Gefühlskälte, die du eine Zeit lang kultiviert hast – nun bei beliebigen Begegnungen tiefe Gefühle beschwören, wo letzlich keine sind. Es wirkt so, es ginge es dabei nur in zweiter Linie um die Frauen selbst (muss ja auch so sein irgendwie, denn so schnell und oft verliebt ‘man’ sich nicht, denke ich) und primär um das Gefühl des Verliebtseins, das sie bei dir hervorrufen. Und das wiederum erzeugt beim Lesen das Gefühl der Wahllosigkeit.

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      2. Ich kann den Gedankengang soweit nachvollziehen, danke für die Klärung 🙂
        Beim Interpretieren musst du bedenken, dass das hier nur ein Ausschnitt aus meinem Lebensalltag ist. Die Begegnungen sind keineswegs beliebig: Was hier zu lesen ist, stellt bereits eine Auswahl dar.
        Zum Verlieben: Ich verliebe mich gar nicht so oft und es wundert mich etwas, dass dieser Eindruck entsteht. In diesem Fall hier war das eine Vermutung von Hafensolo. Ich selbst sehe das mehr als spontane Begeisterung: Wir hatten eine spaßige Verabredung, verstanden uns ausgesprochen gut und haben uns am Ende ziemlich eingeheizt.
        Ich beschwöre keine Gefühle. Manchmal wäre es mir sogar lieber, wenn sie weniger intensiv auftreten würden. Den impliziten Vorwurf, dass ich über das Maß objektifizieren und instrumentalisieren würde, quasi als Mittel zum Zwecke meiner eigenen Gefühlsbelustigung, möchte ich außerdem stark zurückweisen. Das spricht auch mehr oder weniger aus jedem zweiten Beitrag hier.
        Damit will ich dir nicht absprechen, dass deine Perspektive legitim ist. Und ich bin dankbar für (dein) Feedback! Mir geht es um die Klärung von Missverständnissen.

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