love lost

Gedankenfetzen beim Loslassen

Es schmerzt manchmal noch immer. Dann, wenn ihre Fotos ungewollt vor mir erscheinen und ich eine Weile verharre und zurückdenke. Wenn ich lese, wie glücklich sie gerade ist und ich mich beim Neiden ertappe. Was hat er wohl zu bieten, im Gegensatz zu mir?
Eine ganze Menge vermutlich, wenn man bedenkt, dass sie eine kleine Tochter hat und ich im Prinzip ein 30-jähriger Abiturient bin. Aber auch das ist nur eine Seite. Larmoyanz und Selbstsabotage werde ich hinter mir lassen und in dem Loch, aus dem ich gekrochen kam, zuschütten.

Hübsche Frauen gibt es ja viele – sie war schön. Für sie ist das synonym, ich sehe das differenzierter. Will sie nicht glauben. Azurblaue Augen. Bin beinahe umgefallen. Hat viel mitgemacht. Abwärtsspirale. Ein schlechtes Beuteschema hat sie – was ich mir als Kompliment drehen könnte – oder eben gerade das richtige – eigene Unzulänglichkeiten verlangen schließlich auch nach Bestätigung – und was ist da schon besser, als sich irgendeinen kaputten Typen zu angeln? Die zieht sie magisch an. Vielleicht gehöre ich ja auch dazu. Warum bin ich eigentlich der Verletzliche? Warum lasse ich mich berühren, wo andere kalt bleiben? Lächerlich. Doch anders will ich es auch nicht – manchmal doch. Paul fragt, warum er die hohe Minne betreibe, wo ihm doch nach der niederen ist – das frage ich mich auch schon lange; und kann doch nicht aus meiner Haut. Immer verklärend. Halte sie in meinem Arm, spüre ihren Wunden nach – und wage den Schritt nicht, nicht aus Feigheit. Sorge, weil sie mir schon gesagt hatte, wie sehr sie mein Kuss verletzen könnte, das Gefühl einer brennenden Lunte unterm Pulverfass. Meine Jugendliebe meldet sich mit zu Wort, kippt die ganze Schublade neurotischer Beklemmung vor mir aus und da sitze ich also, zahnlos, streiche ihre Tränen fort. Halte die schönste Frau, die ich jemals getroffen habe und verzweifle – an mir, an ihr, an uns, vor allem aber eben an mir – Stärke sieht anders aus. Zuviele Jahre, kein Licht. Jammerlappen. Ihr Körper schmiegt sich an meinen, kleine scheue Berührungen, wie wir durch die Straßen treiben. Ob wir Freunde sein könnten? Ich mag sie so gerne! Wir kennen uns erst ein paar Wochen, aber erkannt haben wir uns bereits – ich sehe dich, du siehst mich – und es tut so weh… und plötzlich ist sie da, die Kraft der Verzweiflung, bittere, falsche Stärke, Tränen auch: ich kenne euch schon gar nicht mehr! Zerissen. Es tut mir leid – nie wieder! Kann es nicht, will es nicht. No goodbyes, it hurts…

Doch bitter bin ich jetzt nicht mehr.

 


Beitragsbild: Love (2015) ©

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3 thoughts on “Gedankenfetzen beim Loslassen”

  1. Wenn du immer unter Schmerzen die „Kruste“ über dieser Wunde wegkratzt wird es nie eine Heilung geben.
    Ich bin wohl ein wenig älter als du und habe erkannt dass vieles aus einem bestimmten Grund geschieht..den wir HEUTE nicht erkennen und der sich erst in der Zukunft zeigt…..

    Gefällt 2 Personen

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