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StillerEngel – Teil 1

Es ist Mitte März, als ich auf C-Date mit ihr ins Gespräch komme: Sie ist 21 Jahre jung, Studentin, hat ausgefallene Angaben auf ihrem Profil und obendrauf ein süßes, sehr natürliches Foto von sich. Ihre Art zu schreiben ist sehr entspannt und nach kurzer Zeit sehr aufgeschlossen: Nach einer mehrjährigen Beziehung will sie nun Erfahrungen sammeln. Ihre Vorlieben erstaunen mich, weiß sie doch in diesem Alter bereits bestens Bescheid, was ihr gefällt und in welche Richtung sie sich entwickeln möchte. Damit verschwindet dann auch meine Skepsis wegen des Altersunterschieds. Wir tauschen ein paar Phantasien aus, auch wenn es sie, wie sie sagt, zum Erröten bringt. Das möchte ich doch gerne auch live hinbekommen… Die Grenzerfahrung steht ganz oben auf ihrer Liste, ein fließendes Spiel mit Dominanz und Unterwerfung, Schmerz, Fesseln, …. oha! Ich denke 10 Jahre zurück, als ich das erste mal blutige Kratzer am Rücken hatte – aber im Vergleich war ich damals ja richtig harmlos… Überhaupt kommt noch öfter Erstaunen auf: häufig äußern wir sehr ähnliche Ansichten zu Dingen, ihr Humor, die Art, wie sie schreibt – ich fühle mich ihr sofort vertraut. Wir sollten uns treffen, miteinander spielen… wir sind uns einig 🙂

Es dauert noch über eine Woche, bis wir beide Zeit füreinander finden – Ende März ist es soweit. Wir würden uns am Bahnhof in Basel treffen. An diesem Freitag seile ich mich bereits mittags von der Uni ab – mein Kopf ist sowieso wo anders. Noch beinahe fünf Stunden, bis zu unserem Treffen, aber ich habe keine Lust, heim zu fahren. Ich schlendere durch die Stadt, esse einen veganen Döner, genieße die Frühlingssonne am Rhein. Das Leben ist gut, ich freue mich 🙂 Nach einer Weile laufe ich zum Bahnhof und checke in ein Hotel ein, bei dem ich für uns ein Zimmer reserviert hatte. Bold move, aber mein Bauchgefühl sagte mir, dass es sicher stimmig sein würde… Ein kurzes Nickerchen, dann putze ich mir noch die Zähne, denn sie ist Nichtraucherin.

Während ich in der Bahnhofshalle warte, kann ich mir das qualmen doch nicht verkneifen – ich bin etwas nervös, muss über mich selber grinsen. Als sich ein PendlerInnenschwall die Rolltreppen hinunter ergießt, halte ich Ausschau – und erkenne sie sofort. Oh Gott, wie süß! Sie sieht mich ebenfalls, lässt ein kurzes Lächeln aufblitzen und kommt zügig auf mich zu. Drei Küsschen (immer noch erstaunt über das Ritual, aber ich finde langsam meinen Gefallen daran). Sie ist ein wenig kleiner als ich, hat langes, glattes, blondes Haar, wundervolle Haut, ein kleine wohlgeformte Nase – überhaupt ein klassisch-schönes Gesicht, wie man es von den alten Griechen kennt: eine moderne Eurydike, direkt dem Reich der Mythologie entstiegen. Ihre Augen strahlen Ruhe und Klugheit aus. Sie hat mich jetzt schon gebannt…

Wir gehen zu Starbucks 😀 Ich komme mir immer etwas deplatziert vor dort, aber es gibt Sojamilch für den Kaffee. Sie bestellt Tee und wir setzen uns draußen an einen Tisch. Auch sie ist etwas nervös – es ist ihr erstes Treffen dieser Art. Wir plaudern drauf los, über unsere Schulzeit, Uni, Literatur, Musik, alle möglichen Interessen – und wer wir sind… was uns geprägt hat. Ich merke schnell, dass auch sie lieber zuhört, gerate teilweise in lange Erzählungen – es macht ihr nichts aus. Im Gegenteil: sie ist sehr interessiert – und ich glaube ihr 🙂 Unsere Gemeinsamkeiten bestätigen sich erneut, selbst unsere Erfahrungen ähneln sich zum Teil. Sie ist ausgesprochen intelligent, still und schüchtern – ich kann sie tatsächlich zum Erröten bringen – nicht knallrot, sondern diese zartere Durchblutung der weniger neurotischen Gemüter – und dabei senkt sie so wunderbar verlegen den Blick, dass es mir ganz eng um die Brust wird… Ich mag ihre kühle, nüchterne und trotzdem humorvolle Art – ist das nicht das narzisstische Element der Zuneigung? Dass wir uns selbst gerne in anderen wiederentdecken und dort erst richtig Gefallen finden? Doch ich würde früh genug auch merken, dass das bei Weitem nicht alles ist…

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