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Blind Date mit MissBuchhaltung

„Blind Dates mache ich aus Prinzip nicht!“, schreibe ich der 50-Jährigen ohne Profilfoto, mit der ich zwei Tage zuvor Kontakt aufgenommen hatte. But first things first…

Es ist Mitte April, wir befinden uns auf C-Date, das ich beiläufig in einem separaten Browserfenster geöffnet halte. Im „Newsfeed“ tauchen immer wieder mal neue Meldungen von Profilen auf, die ich mir dann ansehe und denen ich teilweise dann eine Nachricht schicke. So auch MissBuchhaltung, die kein Foto drin hat. Sie bekommt eine Fotoanfrage, nur ein Knopfdruck. Sie besucht daraufhin mein Profil – also sage ich mal Hallo 🙂 Sie schaut noch öfter auf meinem Profil vorbei, sagt aber bisher nichts – frag ich doch mal, ob sie interessiert ist… „vielleicht“. Ich lache: Seit wann sind denn jüngere Lover nicht mehr der letzte Schrei? Sie würde mir bestimmt gleich sagen, dass sie Kinder in meinem Alter hätte… ja, das sei auch so 😀 Naja, müsse ja nicht seltsam sein – käme drauf an, wie versaut sie eben so sei… das verschlägt ihr etwas die Sprache und ich würde erröten, wenn ich auch nur einen Funken Schamgefühl hätte 😀 Sie müsse mal drüber schlafen. Gut, ich bin gespannt!

Tags drauf seh ich sie online und hake mal nach – nein, es beschäftige sie noch… Einen weiteren Tag später wird sie gesprächig 🙂 Wir flirten ein wenig, ziemlich locker und recht brav. Ein Foto stellt sie nicht ein, schicken wird sie mir auch keins. Aber sie möchte sich treffen. No way, denke ich noch – und dann steht vor mir ein vollgeregneter Aschenbecher! Sie ist aber äußerst sympathisch dabei – charmant sogar, und ziemlich selbstsicher… soll ich? Wann sie denn mal Zeit hätte? Heute. 😀 Sie wohnt etwa eine Stunde von mir entfernt, es war bereits Abend. Aber tags drauf hätte sie keine Zeit, dann ich wieder nicht mehr usw…. Auf geht’s! Während wir noch schreiben, stehe ich bereits unter der Dusche. Wir treffen uns in einer Hotelbar in ihrer Stadt, 22:30 Uhr. Als ich mich parat mache, kommt meine Ex-Freundin in mein Zimmer und fängt „ganz zufällig“ abends um neun damit an, dass sie das gemeinsame Auto nun ja doch für sich alleine wolle… advanced cockblock könnte man das nennen – sie hatte wohl mitbekommen, dass ich weggehen wollte und hatte eins und eins zusammengezählt – how nice! Da hast du den Schlüssel! Keine Zeit zum quatschen. Was nun? Meine Mitbewohnerin ist wenig begeistert, als ich mir ihr Auto leihen will – ich brächte sie damit in Teufels Küche… aber den Schlüssel gibt sie mir trotzdem – wir verstehen uns – Fistbump 😀 und ich bin raus zur Tür.

Im Hotel angekommen nehme ich den Aufzug ins oberste Stockwerk: Die Bar ist beinahe leer, zwei Paare im mittleren Alter, ganz hinten eine zierliche Frau um die 40, ein stiller Mann im Anzug. Vielleicht lässt sie mich ja etwas warten. Ich setze mich also an den Tresen und lasse mir von der Barfrau eine Cola servieren. Die Atmosphäre gefällt mir: die Musik klimpert dezent, aus dem Fenster ein Blick auf die Stadt und den Fluss – Hotelbars haben einfach Niveau, da fühle sogar ich mich wohl.

Ein paar Minuten dauert es, dann erscheint die Frau aus dem hinteren Teil der Bar am anderen Ende des Tresens, setzt sich… und wirft mir deutliche Blicke zu – nein, echt?! MissBuchhaltung ist eine süße Maus, schlanke Statur, kleine Stupsnase und jede Menge Lachfalten. Die Barkeeperin gibt sich diskret, serviert ihr einen Cocktail. Der einsame Mann, der zuvor neben mir saß, lässt ein anerkennendes Grinsen über sein Gesicht huschen – er weiß ja nicht, dass wir verabredet waren…

Sie ist zunächst zurückhaltend und etwas schüchtern. Aber unser Gespräch nimmt schnell Fahrt auf und bald kann ich auch ihr Lachen das erste Mal erleben. Sie erzählt von ihrer Reise quer durch Asien, von Peking bis St. Petersburg, ganz alleine. Sehr selbstsicher. Sie hat zwei Töchter, beide im erwachsenen Alter, kein glückliches Händchen mit ihren Beziehungen gehabt, jetzt die Schnauze erstmal voll – genießen, mal sehen. Von Beruf ist sie Finanzbuchhalterin, was so gar nicht zu ihr passt, strahlt sie doch jede Menge Lebensfreude und Vitalität aus und ist über einen Schreibtisch gebeugt und mit Zahlen beschäftigt schwerlich auszumalen. Sie hat immer noch Bedenken wegen unseres Altersunterschieds. Auf dem anschließenden Spaziergang erfahre ich, dass sie in einer halben Stunde ihren 51. Geburtstag hat – na, dann sollten wir doch anstoßen! Ich fahre ihr im Auto nach und nach wenigen Minuten sind wir auch schon bei ihr zu Hause angekommen.

Pünktlich um Mitternacht sitzen wir auf ihrer Couch und lassen die Gläser klimpern. Meine Finger in ihrem Haar lösen allmählich ihre Anspannung und wir küssen uns – ganz vorsichtig nur, zart, fast zaghaft. Also übernehme ich die Führung. Sie schmilzt unter meinen Händen, dann erwacht ihre Leidenschaft. Noch ehe ich mich versehe, ist unsere Kleidung weg, alles in einem Aufwasch – stört jetzt nur. Meine Erregung ist dermaßen stark, dass kein Gedanke an Kondom-Neurosen aufkommt. Ihre Beine sind fast bis hinter ihren Kopf gebogen – sie ist wahnsinnig flexibel. Als ich in sie eindringe, flattern ihre Hände, umgreifen mich am Hintern und ziehen mich fest an sie heran. Sie lässt sich gerne eingraben, ist so kompakt, dass ich sie mir förmlich einverleibe – wir werden ein pulsierendes Knäuel von Leibern… als sie kommt, dringen unerwartet zarte Töne aus ihr – sonst ist ihre Stimme etwas rauer und souverän – jetzt ist sie ganz weich und hell und piepsig und fein und ich will mehr, will alles hören und riechen und schmecken – und wie sie sich bewegt, als sie auf mir sitzt – es ist nicht genug, noch ein bißchen länger… Wir schwimmen beinahe auf der Couch, mein Lachen verunsichert sie, doch ich kann sie beruhigen: sie fickt wie eine Göttin! Es wird nicht das erste Mal sein, dass ich sie in Verlegenheit bringe… ihre Mama hätte ihr beigebracht, nicht so zu reden 😀 Und doch ist es wahr und gut und sie soll es wissen!

Ich hatte nicht vor, über Nacht zu bleiben. Nach einer Weile ziehe ich mich wieder an, sie wirft einen Bademantel über. Sie erzählt gerne und viel – ich höre meist zu. Es sind spannende und auch traurige Geschichten, Anekdoten und Banales, und jede Menge Lebensphilosphie voller Leichtigkeit und Optimismus. Ab und zu fordere ich sie heraus, dann, wenn sie allzu leichtfüßig über Schweres hinwegtänzelt als wäre es nichts. Dann lachen wir auch viel: und du? Wieder wäre ich beinahe ohne Geschichte davon gekommen… sie blickt mich manchmal etwas ungläubig an – ja, das bin ich… Es ist jetzt schon so spät und wir sind noch wach – eine zweite Runde wird eingeläutet. Im Anschluss kann ich mich kaum noch auf den Beinen halten, während sie schon wieder durch ihre Wohnung huscht und dabei aussieht „wie ein geplatztes Kissen“ (ihre Worte)… Sie hat etwas mädchenhaftes an sich, steht ständig unter Strom – und hat es bei aller gespielten (aber nicht beteuerten!) Unschuld faustdick hinter den Ohren. Was für eine angenehme und faszinierende Zeitgenossin!

Es ist Zeit zu gehen. Vor mir liegt noch eine Stunde Autofahrt und es dämmert bereits. Tags darauf schreibt sie mir: Sie hätte gedacht, mir noch etwas beibringen zu können und stattdessen von mir gelernt – so viel unbekümmerte sexuelle Offenheit und Lebensfreude. Ich bekomme feuchte Augen… 🙂

Die größte Macht hat das richtige Wort zur richtigen Zeit. (Mark Twain)

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6 thoughts on “Blind Date mit MissBuchhaltung”

    1. Freut mich, dass die Erzählung so lebhaft auf dich wirkt! MissBuchhaltung ist in der Tat eine sehr ungewöhnliche Person – ich mag sie entsprechend gerne 🙂
      Deine Geschichten sind übrigens mindestens genauso lebendig – bei deinem aktuellen Artikel bekomm ich den Mund kaum noch zu…

      Gefällt mir

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